Ian Nepomniachtchis Weg zur WM – Kandidatenturnier Runde 6

Foto: Lennart Ootes

Ian Nepomniachtchi – Ding Liren

Mit Runde 6 des im letzten Jahr begonnenen und in diesem Jahr abgeschlossenen Kandidatenturniers führen wir unsere Blogreihe zum aktuellen Herausforderer auf die Weltmeisterschaft – Ian Nepomniachtchi fort.

Dabei traf “Nepo” mit den weißen Figuren auf Ding Liren und damit auf den nächsten starken Chinesen. Die beiden Spieler begannen mit der aus den frühen 2000er Jahren sehr regelmäßig in der Weltspitze angewandten Spanischen Partie, die seinerzeit sehr oft und schnell in das „Berliner Endspiel“ überführt wurde.
Ian entschied sich hier mit Weiß jedoch für ein lebendiges Mittelspiel im sogenannten “geschlossenen Spanier”, welche sich durch folgende Zugfolge auszeichnet: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Le7.

 


Stellung nach dem 3. Zug von Schwarz

Bis zum sechzehnten Zug folgte Nepo dem Vorbild des amtierenden Weltmeisters Magnus Carlsen, der 2017 gegen Ding Liren 16. c4 spielte, und nach 31 Zügen mit Weiß gewinnen konnte. Magnus konnte, ähnlich zur hier vorliegenden Variante, ebenfalls einen Freibauern erschaffen und damit die Partie kurz nach dem Mittelspiel für Schwarz in gefährliche Wasser führen. Gern könnt ihr diese Partie hier nachspielen.

 


Stellung nach dem 15. Zug von Schwarz

Ian entschied sich in dieser Stellung für eine neue Variante, und spielte seinen Turm nach b2. Der Plan dahinter ist, den schwarzen b5 Bauern zu entfernen und mit dem eigenen b-Bauern in die schwarze Stellung einzudringen.

 


Stellung nach dem 21. Zug von Weiß

Nach 21 Zügen war es dann so weit; der Springer auf d5 dominiert die schwarze Stellung, die sich auf den hinteren Linien tummelt. Ian hat sich zudem gerade mit 21. g3 ein Luftloch geschaffen.

Schwarz schlägt jetzt auf c4 zu – 21. … bxc4. Deutlich bessere Varianten gab es nicht (Ta3 hätte die Öffnung der Stellung noch etwas herauszögern können).

22. Dxc4 c6! Ein wichtiger Zug, um den starken Springer auf d5 zurückzudrängen.

Es folgen die Züge 23. Sf4 Lg5 24. Se2 d5 25. d5 exd5 26. Db3.

 


Stellung nach dem 26. Zug von Weiß

Nach 26 Zügen hat Jan es nun geschafft, einen Freibauern auf der b-Linie mit Schwerfiguren als Unterstützung zu platzieren. Die Verteidigung mit Schwarz fällt Ding jetzt schon recht schwer, aber beide haben noch ausreichend Zeit (1h gegen 1:40h). Um Gegenspiel und eigene Stärken zu kreieren, greift Ding Liren zum h-Bauern, während Ian seinen b-Bauern weiter vorprescht.

 

Stellung nach dem 30. Zug von Weiß
Mit 30. Tfb1 Ld8 31. Db5 Dg4? passierte Ding die erste Ungenauigkeit. Mit Df5 hätte er seinen f7 Bauern überdeckt und keine Taktik zugelassen. Ian bestrafte es aber auch nicht direkt mit De8+!, sondern nahm sich den Bauern von e5.

Nach 32. Dxe5 Ta5 33. Dc6? (f3) hätte Ding mit dem schwachen weißen König ein Remis erzielen können … hätte er den starken Zug Tb8xb6 Tb2xb6 Dxe2 gesehen. So spielte Ding nur 33. …Tc5? und ließ ohne Gegenspiel

34. De8+ Kh7 35. Sg1 Txb6 36. Dxd8 Txb2 37. Txb2 Tc1! 38. Dh4+ Dxh4 39. gxh5 zu.
Mit einer Leichtfigur weniger plus leicht zu deckenden weißen Bauern gab sich Ding nach einem weiteren Zug geschlagen.

Endstellung nach dem 40. Zug von Weiß
Ian Nepomniachtschi führte nun mit 4,5 aus 6 Punkten und einen Punkt vor Maxime Vachier-Lagrave (MVL) das Kandidatenturnier weiterhin an. In der nächsten Runde sollten dann beide Kontrahenten direkt aufeinander treffen und wir werden unsere Serie dann mit Partie 7 des Kandidatenturniers fortsetzen.
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