New in Chess Classic – Analyse der 1. Finalpartie – Carlsen vs. Nakamura

 

Im folgenden Kurzvideo präsentieren wir Euch eine Analyse einer sehr interessanten Schnellschachpartie des amtierenden Weltmeisters Magnus Carlsen gegen Hikaru Nakamura.

Die Schnellschachpartie vom 01.05.2021 war die erste Finalpartie des “New In Chess Classic“, eines 15+10-Onlineturniers, welches der Weltmeister am Ende für sich entscheiden konnte. Das New in Chess Classic, welches die Top-8 Spieler der Kandidatenwettkämpfe des aktuellen Jahres vereinte, war gleichzeitig die 5. Veranstaltung im Rahmen der Meltwater Champions Chess Tour.

Der Weltmeister eröffnete mit dem Damenbauern 1. d4, worauf Nakamura mit 1. … Sf6 antwortete. Nach 2. c4 e6 und 3. Sc3 Lb4 stand die Grundstellung der Nimzoindischen Verteidigung auf dem Brett. Dabei deckt Weiß mit 4. Dc2 den gefesselten Springer auf c3 und greift nach der schwarzen Rochade im 5. Zug den Läufer mit a3 an. Nach dem Schlagen auf c3 nimmt Weiß im 6. Zug mit der Dame zurück, bevor Schwarz mit 6… d5 Raum im Zentrum beansprucht und im nächsten Zug auf c4 schlägt, was erneut die weiße Dame zum Zurückschlagen auf c4 veranlasst.

Weiß verbleibt mit dem Läuferpaar, sein König steht jedoch weiterhin im Zentrum. Nach 9. … La6 mit Angriff auf die auf c4 positionierte Dame folgt 10. Da4, womit der schwarze Läufer sofort wieder angegriffen und damit auch der Springer auf b8 an die Verteidigung dieses Läufers gebunden wird. Damit schaffte es der Weltmeister, die schwarze Entwicklung zu verlangsamen, während sein König weiterhin im Zentrum verblieb.

In dieser Partie belässt Magnus den König sogar während der gesamten Partie im Zentrum, ohne überhaupt zu rochieren. Insofern ist dies eine sehr eindrucksvolle Partie zum Selbststudium, die uns zeigt, dass der König entgegen der allgemeinen Schachregeln die jedes Kind zu Beginn seines Schachlebens erlernt, nicht immer rochieren muss. Insbesondere bei einem späteren Damentausch steht der König im Zentrum oftmals besser und kann im Endspiel einen gewissen Vorteil gegenüber seinem schwarzen Widerpart beanspruchen.

Folgerichtig tauscht der Weltmeister später auch die Damen ab, jedoch nicht bevor er eine interessante Neuerung in dieser Eröffnung im 15. Zug aufzeigt. Nach 14… c5 griff Nakamura den weißen Zentralbauern an, um nach 15. dxc5 mit dem mittlerweile auf d8 positionierten Turm den weißen Turm auf d1 zu schlagen. Diese Stellung mit der weißen Dame auf a4 wurde schon öfters in der Weltspitze gespielt, jedoch wurde hier gewöhnlich mit der Dame auf d1 zurückgeschlagen. Magnus´ Neuerung ist das Zurückschlagen auf d1 mit dem König statt mit der Dame. Dies wird sicherlich den Eröffnungsspezialisten neues Material zur tiefergehenden Analyse geben.

Im Mittelspiel entwickelt sich ein spannender Kampf, wobei Magnus mit Springer und Läufer gegen zwei schwarze Zentralspringer agieren muss. Unser Analyst Martin Röbke zeigt auf, dass Magnus im 29. Zug mit Td4 und einem anschließenden Turmtausch vermutlich in Vorteil hätte kommen können, was er aus seiner Sicht wohl leider verpasste.

Im Nachgang wurde reichlich Material abgetauscht und die beiden Spitzenspieler fanden sich bald in einem sehr interessanten Turmendspiel mit jeweils zwei Freibauern wieder. Nach 49. …f2 steht Schwarz kurz vor der Umwandlung seines Bauern, aber Magnus reagiert nicht darauf und schiebt seinerseits seinen e-Bauern auf die 6. Reihe vor! Natürlich hat der Weltmeister hier alles im Blick und im Video zeigen wir Euch, dass eine Umwandlung des Bauern auf f1 unweigerlich mit einem Schachgebot durch Tb8! und damit verbunden einem Matt einherginge. Auch dies wird natürlich von Hikaru Nakamura erkannt und er schafft es, mit Td3+ den in dieser Stellung einzigen und besten Zug zu finden.

 

Am Ende werden schließlich noch die Türme getauscht und die beiden „nackten Könige“ stehen sich auf dem Brett gegenüber – höchste Zeit für ein Handshake der beiden Spitzenspieler.

Ein eindrucksvolles Remis in einer sehr lehrreichen Partie, insbesondere was die korrekte Behandlung des Turmendspiels angeht! Zum Thema „Turmendspiele“ hatten wir Euch bereits ein Kurzvideo auf unserer Seite „Entwicklung“ bereitgestellt.

Viel Spaß mit dem Video und beim weiteren Selbststudium!

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